Meraner Tagebuch

Im Frühjahr 2015 begann ich mit Recherchen und Notizen zu den Fluchtlinien meiner Großeltern. Ich schrieb einen ersten Entwurf für die Anthologie „Untertan – Texte zur Zeit“. Die Jury nahm diese ersten Fluchtlinien in den Band.

Die Berliner Autorin Maryanne Becker interviewte mich zu Kindheitserinnerungen. Wir hatten es nicht leicht miteinander, weil ich mehr das Erzählte, also das Erinnerte in der Familie, ihr weitergab. Aber dieses Gespräch und die Auseinandersetzung darüber war Anlass weiter an den „Fluchtlinien“ schreiben zu wollen.

Im Herbst entdeckte ich die Ausschreibung der Schweizerischen Gesellschaft für die Europäische Menschenrechtskonvention: Writer in Residence, Franz-Edelmaier-Residenz für Literatur und Menschenrechte in Meran. Franz Edelmaier war ein Zisterzienserpater und Pfarrer in Meran. Der Vater eines Cousins war 1938 von Hamburg nach Meran, durch ganz Italien bis Burma geflüchtet. Ich schrieb wieder an den Fluchtlinien und bewarb mich. Zwei Wochen später hatte das Kuratorium entschieden und die Koordinatorin, die Schweizer Schriftstellerin Michèle Minelli, schrieb mir auf sehr schönem Papier, dass ich im Frühjahr oder zum Ende des Jahres 2016 kommen könnte. Ich nahm den März 2016. Der Fotograf Henning Berkefeld (Friedrichskoog) schlug den Meran-Blog vor. Und ich kaufte Reiseführer und eine Karte der Alpen.